[normal ist anders] verabschiedet sich aus Neuruppin

Zwei schöne – aber auch anstrengende Wochen sind für unser [normal ist anders] Festival-Team zu Ende. Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes unsere Zelte abgebrochen und Neuruppin mit unserem Festival-Zelt wieder verlassen. Die Veranstaltungen in den vergangenen zwei Wochen waren zwar nicht immer gut besucht, aber durchweg spannend und interessant. Die Aktionen waren einmal vielschichtig und tiefschürfend, an anderen Tagen spaßig und kurzweilig. Unser Festival-Zelt auf dem Kirchplatz bot uns immer wieder die Möglichkeit, kurz mit SpaziergängerInnen, NeuruppinerInnen und TouristInnen in Kontakt zu kommen – schließlich fällt ein großes weißes Zelt auf einer Wiese auf! Wir hatten jedenfalls immer viel Spaß. Außerdem zeigte es sich, dass es einige interessierte Menschen gibt, die sich auch spontan auf etwas Neues einlassen können.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Kooperationspartnerinnen und -partnern bedanken, die es uns ermöglicht haben, das Festival [normal ist anders] in Neuruppin auf die Beine zu stellen. Wir sind froh, dass es in Neuruppin und Umgebung so viele Engagierte gibt, die sich trotz der hohen Arbeitsbelastung – auch in Hinblick auf die Demonstration der Neonazis – auf unser Programm eingelassen haben und mitwirkten. Wir danken den Förderern und Unterstützern und natürlich allen NeuruppinerInnen und BesucherInnen. Wir haben durch das Festival auch viel für zukünftige Veranstaltungen lernen dürfen und freuen uns, wenn wir demnächst wieder mit einer Aktion nach Neuruppin kommen können.

Mely Kiyak im Festivalzelt: “Wir brauchen eine Mischkultur”

Am Samstag, dem Tag unserer Abschlussveranstaltung, haben es sich wieder einmal einige hundert Neonazis nicht nehmen lassen, durch Neuruppin zu marschieren. Die Gegenaktionen in der Stadt waren vielfältig und bunt – aber die Neonazis konnten ihre Route beinahe ungestört durchführen.

Unsere Abschlussveranstaltung ließen wir uns deshalb aber nicht verderben: Im Festzelt auf dem Neuruppiner Kirchplatz bastelten wir den Tag über Buttons für Toleranz und sprachen mit den engagierten Menschen aus Neuruppin, Brandenburg und Berlin, die sich auf dem Kirchplatz versammelt hatten, um gegen die Neonazis zu demonstrieren.

Nach diesem anstrengenden Tag mit Blockaden, Demonstrationen und jeder Menge Engagement fanden sich trotzdem einige Menschen in unserem Festzelt auf dem Kirchplatz in Neuruppin ein, um mit uns der Lesung von Mely Kiyak beizuwohnen. Die Autorin und Journalistin stellte einige ihrer Kolumnen vor, sowie Texte aus dem “Manifest der Vielen” und ihrem neuen Buch “Ein Garten liegt verschwiegen… - Von Nonnen und Beeten, Natur und Klausur” vor. So verband sie in einer Kolumne geschickt das Thema der Integrationsdebatte mit der Blumen- und Gemüsezucht und der Mischkultur in der Pflanzenwelt. Mit Witz und Elan erzählte sie nebenbei aus ihrem Leben.

Interessiert diskutierte sie auch mit dem Publikum über die Demonstration in Neuruppin und die Gegenkultur in Brandenburg. Mely Kiyak selbst hat einige Jahre in einem brandenburgischen Dorf gewohnt und teilte ihre Erfahrungen gerne mit den Zuhörenden. Ein durchweg gelungener Abschluss einer spannenden Festival-Zeit.

Märchen aus aller Welt

“Mit tiefer Stimme fragte der Wolf das Huhn: ‘Darf ich mit Dir zu Abend essen? Ich kenne eine gute Steinsuppe’…”, erzählte Christiane Schoon mit gespielt tiefer und kratzender Tonlage. Die zwölf Kinder lauschten gespannt den Märchen aus aller Welt. Ob nun “Die Steinsuppe” oder “Der Hase, der Wal und der Elefant” aus Mauritius – die Kinder (und auch die Eltern) waren begeistert von der internationalen Auswahl der Geschichten.

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Gespräche am Rand des Festivals

Flyerverteilen führt zu interessanten Begegnungen. Manche PassantInnen bleiben stehen, interessieren sich für das Angebot, kommen manchmal auch wieder. Andere drehen den Kopf weg oder rennen weg, als hätten sie Angst, man käme von einer Sekte und wollte sie zur Gehirnwäsche überreden.

Manchmal gibt es auch besonders originelle Reaktionen:

“Du hast da Dreck am Strumpf, so findste aber keine Freunde.” Ein Blatt hing an meinem Bein, anscheinend ein Grund für ihn, auf gar keinen Fall zum Theater der Gruppe “Lampenfieber” zu kommen. “Bei so einem jungen Mädchen sieht das gar nicht gut aus.” Dann wurde es immer ausfallender, auch wenn “junges Mädchen” bei über 30-Jährigen schon als Kompliment gewertet werden kann.

Theatergruppe Lampenfieber – Des Kaisers neue Kleider

Für Kinder und Erwachsene spannend war die Aufführung der Theatergruppe „Lampenfieber“. Zu Beginn erklärte ihre Leiterin, die Theaterpädagogin Friederike Möckel, den Namen der Gruppe. „Lampenfieber“ heißen sie, weil sie vor der Aufführung immer so aufgeregt sind. Das war ihnen heute aber gar nicht anzumerken. Die Gruppe gibt es schon seit 2003, und diese langjährige Erfahrung merkt man den SchauspielerInnen auch an. Außer „Des Kaisers neue Kleider“ haben sie zum Beispiel schon Shakespeares „Mittsommernachtstraum“ und das Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ gespielt.

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B wie Bingo! Ein gelungener Nachmittag auf dem Kirchplatz

BINGO!!! … schallte es heute mehrmals laut über den Kirchplatz in Neuruppin. Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich rund 25 SeniorInnen im Festivalzelt ein und spielten zusammen unter etwas anderen Bedingungen Bingo.

Fröhliche Gewinnerinnen beim Bingo

BesucherInnen, die normalerweise nur Rommé spielen, konnten als Mitspieler gewonnen und schnell von den Vorzügen des Bingospiels überzeugt werden. Da ließ sich vernehmen: „Das macht Laune, und ist so leicht zu lernen“. Das Bingo Rad ratterte und immer neue Kugeln wurden von Frau Funk vom ASB Neuruppin fachmännisch verlesen. Geschäftiges Suchen auf den Bingokarten nach „Bertha-12“, „Gustav-66“ oder Nordpol-32“ setzte ein, bis wieder eine glückliche Gewinnerin BINGO rufen konnte.
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Impressionen vom Festival

Dialog mit einem Passanten:

“Im Zelt gibt es jetzt Impro-Theater. Wollen Sie reinkommen?”

“Nö. Det is mir nüscht.”

“Morgen gibt’s Bingo und Kuchen. Vielleicht wollen Sie da wiederkommen?”

“Nö. Dafür bin ick ooch nich.”

“Was machen Sie denn gern?”

“Bungalow. Im Bungalow sitzen und uffn See kieken.”

Film “Wir sitzen im Süden” mit Regisseurin Martina Priessner

“Wir sitzen im Süden” antwortet Fatos im breitesten Badisch, wenn AnruferInnen fragen, wo ihr Callcenter sich befindet. Fatos, Bülent, Cigdem und Murat arbeiten in Istanbul für deutsche Firmen wie Lufthansa oder Neckermann. Bei der Arbeit heißen sie Ralf Becker oder Ilona Manzke.

Dass sie in der Türkei sind, hat unterschiedliche Gründe. Cigdem besitzt einen deutschen Pass und hat sich aus beruflichen Gründen entschieden, in die Türkei zu gehen. Fatos wurde mit 18 Jahren von den Eltern in die Türkei geschickt, die von ihrer Liebesbeziehung erfahren hatten. Ähnlich war es bei Murat – auch ihn haben die Eltern in ihr Herkunftsland geschickt. Einzig Bülent wurde abgeschoben – er war als Jugendlicher kriminell geworden.

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